Das Makedonische – ein linguistischer Fachaufsatz von Prof. Dr. Maksim Karanfilovski

Die südosteuropäische Sprachlandschaft ist durch eine jahrhundertelange Koexistenz und gegenseitige Beeinflussung verschiedenster Sprachen geprägt, deren Erforschung eine zentrale Aufgabe der Balkanlinguistik darstellt. Ein wegweisendes Standardwerk in diesem Forschungsfeld ist das von Uwe Hinrichs im Jahr 1999 herausgegebene Handbuch der Südosteuropa-Linguistik. Als wissenschaftlicher Sammelband vereint das Werk eigenständige Beiträge internationaler Experten, die die spezifischen Strukturen und Entwicklungen der Einzelsprachen der Region detailliert analysieren.

Innerhalb dieser Gesamtdarstellung nimmt die Arbeit von Prof. Maksim Karanfilovski einen zentralen Stellenwert ein. In seinem spezifischen Kapitel widmet sich Karanfilovski der fundierten linguistischen Beschreibung des Makedonischen. Seine Untersuchung beleuchtet nicht nur die internen grammatischen und phonetischen Strukturen der Sprache, sondern bettet diese auch in den breiteren Kontext der areallinguistischen Prozesse Südosteuropas ein. Damit liefert sein Beitrag einen unverzichtbaren Baustein für das Verständnis des makedonischen Sprachsystems und dessen Rolle im balkanischen Gesamtsprachgefüge.

DAS MAKEDONISCHE

MAKSIM KARANFILOVSKI, Skopje

Vorbemerkung

Die makedonische Sprache* ist eine südslawische Sprache. Gemeinsam mit dem Bulgarischen, einigen Dialekten der serbischen Sprache, dem Neugriechischen, Rumänischen und Albanischen bildet sie den sog. Balkansprachbund. Die makedonische Sprache ist die offizielle Amtssprache der Republik Makedonien. Von ihr abstammende Dialekte werden auch im pirinischen (R. Bulgarien) und ägäischen (R. Griechenland) Teil Makedoniens und einigen Regionen der Republik Albanien (Mala Prespa, Golo Brdo u.a.) gesprochen. Jenseits der Grenzen Makedoniens wird Makedonisch auch von den Emigranten in der makedonischen Diaspora in Westeuropa, Kanada, den USA, Australien u.a. gesprochen.

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*Aus dem Makedonischen ins Deutsche übersetzt von Silvana Simoska, Skopje

Alphabet

Das Alphabet des Makedonischen ist kyrillisch (makedonisches Kyrillisch), es besteht aus den folgenden 31 Graphemen (in Klammern ist die lateinschriftliche Transkription angegeben):

А а (a), Б б (b), В в (v), Г г (g), Д д (d), Ѓ ѓ (ǵ), Е е (e), Ж ж (ž), З з (z), Ѕ ѕ (dz), И и (i), Ј ј (j), К к (k), Л л (l), Љ љ (lj), М м (m), Н н (n), Њ њ (nj), О о (o), П п (p), Р р (r), С с (s),Т т (t), Ќ ќ (ḱ), У у (u), Ф ф (f), Х х (h), Ц ц (c), Ч ч (č), Џ џ (dž), Ш ш (š)

Das Alphabet des Makedonischen hebt sich durch einige Besonderheiten von den anderen kyrillischen Alphabeten ab.

Neben dem Fehlen der Digraphe wie z.B. im Altslavischen, Russischen und Bulgarischen, sind es in erster Linie die Grapheme ѓ, ќ, љ, њ, ј, ѕ und џ, die charakteristisch sind. Typisch makedonische Grapheme sind ѓ und ќ, die palatal ausgesprochen werden. Zu ihnen wird in der Regel auch das ѕ (dz) gerechnet.

Zur Differenzierung von Homonymen wird das diakritische Zeichen Gravis verwendet не (Negation ‘nein‘) und нé (Kurzform des Pronomens ние, нас ‘uns‘), сe (3 P PI von сум ‘sind‘ und Reflexpronomen ‘sich‘) und (Indefinitpronomen ‘alles‘), и (Pronomen‘ihr‘). Der Murmelvokal [ ə ] wird in der makedonischen Sprache mit einem Apostroph gekennzeichnet. Er steht bei Turzismen, vor anlautendem vokalischem r und in Dialektformen, z.b. к’смет, ‚рѓа, ‚рж, u.a.

Orthographie

Die Orthographie des Makedonischen ist phonetisch und in hohem Maße auch phonologisch, da sie konsequent die Regel „jeder Laut wird durch ein eigenes Zeichen repräsentiert“ befolgt. Ein besonderes Charakteristikum ist die Stimmtonassimilation der stimmhaften und stimmlosen Konsonanten in unmittelbarem Kontakt: брег – брекче, врабец – врапче, врапци, рид – ритче, сладок – слатка, бележи – белешка, близок – блиска, сват – свадба, гостин – гозба, bei präfigierten Lexemen (зад-) затскрие, (од-) отказ, (под-) потпис, (пред-) претсобје, претседател, (без-) бескуќник, (раз-) расчекор, u.a. In Fällen, wo die Morphemgrenze eindeutig erscheint, ist auch Konsonantenverdoppelung möglich: оддели, раззелени, оттука, бессовесен. Wenn die Bestandteile einen höheren Grad an Verschmelzung aufweisen, wird entweder eine Stimmtonassimilation und eine Kontraktion durchgeführt – оддамна – одамна, бесмислен, бесрамен, исече, раседна ( разседна), расее, рашета ( разшета) oder das c wird beibehalten бесшумно ( безшумно), истепа, исшие u.a.

In den folgenden Fällen wird die Stimmtonassimilation graphisch nicht gekennzeichnet:

1 в vor einem stimmlosen Konsonanten: вкупно, втор, мравка, цевка, трговски, глувче, тавче, мевце, овца, овчар u.a.

2 д vor den Suffixen -ски, -ствен und -ство: градски, ридски, охридски, производствен, вовдство, vor der Endung -ци im Plural: очевидец – очевидци, крадец – крадци, vor dem bestimmten Artikel -та: заповед – заповедта, жед – жедта u.a.

3 vor dem bestimmten Artikel -та auch bei anderen Konsonanten: зоб – зобта, надеж – надежта, ‚рж – ‚ржта u.a.

4 auch das г  wird vor folgenden Lexemen nicht assimiliert: бегство, другпат u.a.

5 т in den Komposita des Typs: петгодишен, десетдневен

6 Bei fremden Eigennamen: Вашингтон, Страсбург und bei den Adjektiven -страсбургшки, хабсбуршки u.a.

7 in Verbindung mit Sonanten: милослив, мирислив u.a.

Die stimmhaften Konsonanten werden in Auslautposition stimmlos ausgesprochen, die orthographische Struktur bleibt davon unberührt, d.h. es wird ein stimmhafter Konsonant geschrieben: даб [dap], заб [zap], крв [krf], мраз [mras], бодеж [bodeš], брег [brek], праг [prak], нож [noš], воз [vos], u.a.

Bei der Verknüpfung von zwei Morphemen können zwei unmittelbar aufeinander folgende Konsonanten zu einem verschmelzen (бестрастен, исече, расее) oder koexistieren (беззаконие, раззелени, бессилен, бессоница, оддел, оттаму, потта, пролетта, петте, најјак, осуммина, каллив) u.a.

In einigen Konsonantengruppen ist die Tilgung eines Konsonanten möglich: лист – лисје, жалост – жалосно (analog auch bei жалосен), auch bei standardsprachlichen Formen  -устен – усна, местен – месна, пристаништен – пристанишна u.a.

Die Silbentrennung erfolgt nach der allgemeinen Unterscheidung nach Silben, Sonderfälle werden durch zusätzliche Regeln erfaßt. Bisher sind 3 Rechtschreibungen erschienen:

1. Makedonische Orthographie, ausgearbeitet von der Kommissiopn für Sprache und Orthographie des Ministeriums für Volksbildung, Skopje, 1945.

2. B. KONESKI und K. TOŠEV: Makedonische Rechtschreibung mit einem orthographischen Wörterbuch, Skopje, 1950.

3. K. TOŠEV, B. VIDOESKI, T. DIMITROVSKI, K. KONESKI, R. UGRINOVA-SKALOVSKA: Rechtschreibung der makedonischen Literatursprache mit einem orthographischen Wörterbuch, Skopje, 1969 (mit neuen Auflagen).

[Ergänzung der Redaktion:

4. Институт за македонски јазик „Крсте Мисирков“, Правопис на македонскиот јазик, Скопје 2015 ]

Lautsystem

Das Lautsystem der makedonischen Sprache besteht aus 5 vokalischen und 26 konsonantischen Phonemen (das Konsonantenphonem /r/ wird durch zwei stellungsbedingte Allophone, dem konsonantischen [r] und dem silbenbildenden [ro]) repräsentiert. Das silbenbildende [ro] tritt als Silbenträger auf und wird daher auch vokalisches r genannt.

Das silbenbildende /r/ der makedonischen Sprache tritt im Wortinnern zwischen zwei Konsonanten (дрво, крв, прст, срце, срп, црква u.a.) und im Wortlaut, wenn nach ihm ein Konsonant folgt, auf. Bei letzterem steht vor dem silbenbildenden /r/ ein Apostroph (‚рбет, ‚рѓа, ‚рж, ‚рскавица, ‚рт u.a.), auch dann, wenn ein auf Vokal auslautendes Präfix vorangestellt wird (за’рѓа, за’ржи u.a.). Bei konsonantischem Präfixauslaut werden Bildungen mit dem vokalischen /r/ ohne Apostroph geschrieben ( сржи, срска, срти u.a.).

Bei der Aussprache des konsonantischen und vokalischen /r/ bestehen keine Quantitäts- und Intonationsunterschiede, ebenso tritt auch keine Reduktion der unbetonten Vokale auf (außer bei einem Teil der makedonischen Dialekte).

In einigen Fällen wird zwischen Vokalen in unmittelbarer Position ein j eingefügt: zwischen и und а – вријам, змија; o und a – бројам, боја; y und a – дујам, чујам; e und a –  алеја, вејач; a und a – бајач, замаја, залајал;  и und o – змијо, Маријо (Vokativ) u.a. Bei unmittelbarer Abfolge von drei gleichen Vokalphonemen werden in der Regel die letzten beiden durch ein j getrennt: фоаје, знаеја, ткаеја, пееја, чуеја u.a.

Die Vokale der makedonischen Sprache sind auf phonologischer Ebene durch die Zungenstellung charakterisiert (nach TOPOLINSKA, 1995).

In der makedonischen Standardsprache gibt es die folgenden 26 Konsonantenphoneme: /p/, /b/, /f/, /v/, /m/, /t/, /d/, /s/, /z/, /n/, /n‘/, /l/, /l‘/, /r/, /j/, /š/, /c/, /ȝ/, /č/, /ǯ/, /k/, /g/, /x/, /k‘/, /g‘/. Fast in allen Fällen besteht eine Korrelation zwischen stimmlosen und stimmhaften Konsonanten gleicher Artikulationsart und -stelle: [ p:b, f:v, t:d, k:g, s:z, c:ȝ, s:z, č:ǯ, ƙ:ǵ ]. Eine Ausnahme bilden hier die sonantischen Phoneme /n/, /n‘/, /m/, /l/, /l‘/, /r/, /j/ und das Phonem /x/. Eine Palatalitätskorrelation bildet nur eine geringere Zahl von Phonemen: /n/, /n‘/, /l/, /l‘/; zu ihnen lassen sich auch /k/; /k‘/ und /g/; /g‘/ stellen.

Charakteristische Konsonanten der makedonischen Sprache sind: ѕ, џ, ќ, ѓ und л (љ). Das konsonantische s kommt nur in einer begrenzten Anzahl von Worten vor, im Wortlaut vor einem Vokal – (ѕевгар, ѕемне, ѕид, ѕирка), bei präfigierten Wörtern (изѕида, проѕирен, заѕуни), vor dem Konsonanten в und den Sonanten р, х (ѕвезда, ѕвер, ѕвечи, ганѕало, ѕенѕа, наѕре, ѕрџала). Der Konsonant џ tritt überwiegend bei Wörtern fremder (vorwiegend türkischer) Herkunft auf, die ins Makedonische entleht worden sind: џабе, џам, џем, џемпер, џигер, оџа, џентлмен. Er ist auch bei den Suffixen -џија, -џика, – џилница, vertreten (казанџија, атерџика, бозаџилница). Durch Stimmtonassimilation wird aus einem ч vor einem stimmhaften Konsonanten in vielen Fällen ein џ (лиџба, нараџба, враџба); und bei einigen anderen Wörtern (вџаши, џагор, џвака, џган) u.a.

Die Aussprache von ќ und ѓ variiert in den makedonischen Dialekten von den weichen к, г bis hin zu ч, џ. Sie treten in einer großen Anzahl von Wörtern auf (Божиќ, вреќа, куќа, леќа, ноќ, свеќа, сваќа, синоќа), beim Zählplural (бруќе, враќе, праќе, рабоќе), bei Einwohnerbezeichnungen (пироќанец, Еѓипќанец, Тибеќанец, сплиќанец) und bei den Wörtern плаќа, праќа, испраќа; веѓа, лаѓа, преѓеска, ‚рѓа, туѓ, туѓина, луѓе, ливаѓе, оѓраѓе, охриѓанец, Швеѓанец. Diese Phoneme kommen auch sehr häufig in Wörtern türkischer und griechischer Herkunft vor (ќаја, ќар, ќотек, ќофте, ќумур, спанаќ, ѓавол, ѓон, ѓубре u.a.). Nach den Rechtschreibregeln steht vor einem  е entweder ќ oder ѓ (ќебап, ќебе, ѓердан и к кибрит, килим, кирија, Кирил, Зекир, Шакир u.a.).

Der Konsonant љ /l‘/ wird vor a, o und у geschrieben und auch so ausgesprochen (љуби, љуби, љубов, Љуба), ebenso vor anderer Vokalen (иљач, пљачка, Кољо, Суљо) und einigen Konsonanten (беља, биљбиљ, детаљ). Ein halbweiches л [l‘] wird vor е, и und ј gesprochen (леб, лето, ливада, лице, зел је, Биљана). In allen anderen Positionen wird l [l] ausgesprochen, in einigen Dialekten ist die Aussprache weicher [l‘].

Morphologische Alternationen werden in der makedonischen Sprache durch die Tilgung von Vokalen in bestimmten Positionen verursacht, z.B. bei der maskulinen Form einiger Adjektive im Vergleich zu anderen Formen (Femininum, Neutrum und Plural): жежок: жешка, тежок: тешка, лесен: лесно, bei dem Gebrauch des bestimmten Artikels bei Substantiven und Numeralien: туризам: туризмот, седум: седмиот. Auch bei den Konsonanten kommen Alternationen vor, z.B. т : ќ (брат: браќа, сват: сваќа), д : ѓ (Охрид: охриѓанец, ливада: ливаѓе).

Das phonologische System der makedonischen Sprache zeichnet sich aus durch eine geringe Anzahl von stellungsbedingten Allophonen, durch die Nicht-Palatalisierung von Konsonanten vor vorderen Vokalen, die Abwesenheit der Palatalitätskorrelation bei den Konsonantenphonemen, eine geringe Anzahl von palatalen Konsonanten sowie durch die Abwesenheit einer ausgesprochen markanten Vokalallophonie im konsonantischen Kontext (nach SAVICKA I., SPASOV Lj., 1991).

Das phonologische System der makedonischen Sprache und dessen distinktive Merkmale lassen sich am geeignetsten durch den phonologischen Dendriten nach SAVICKA und SPASOV (1991) darstellen. (s. Anhang)

Aus historischer Sicht sind im makedonischen Lautsystem folgende Veränderungen von Relevanz: Vokalisierung der reduzierten Vokale ъ, ь in betonter Position bei o, e (Typus: сънъ > сон, дьнь > ден, Ende des 10. Js), Denasalisierung der nasalen ѫ, ѧ  in a, e (Typus: мѫка > мака, пѧть >пет, mit einigen Ausnahmen des Typus сѫдъ > суд, (ѩ) > ја (ѩзꙑ́къ > јазик, 12.-13. Jh); der Übergang von ы (у) > и (11.-13-Jh.) (рыба > риба); die Entwicklung der Vokale р, л (tъlt, tьlt, tlъt, tlьt), in der Zeit vom 15.-18. Jh. Kommt es zur Erscheinung des Vokals + l (tolt)полн, волк, und der Beibehaltung des vokalischen Beiklangs in trt (врв, ѓрб, срп, крв). Im Konsonantensystem sind folgende Veränderungen ausschlaggebend: Verhärtung der weichen Konsonanten, Verlust des epenthetischen l (земја), Verlust des h (леб) und dessen Ersatz durch в in vielen Fällen (ухо > уво, виках > викав), der Wechsel с, з, ш, ж, ч, ј vor den Diminutivsuffixen – че,-ца, in в: крст > крвче, маст > мавца, ѓрозд > ѓровче, трошка > тровче u.a. und viele andere Veränderungen in den Konsonantengruppen.

Akzent

Der Akzent der makedonischen Sprache ist expiratorisch-dynamisch und liegt bei den mehrsilbrigen Wörtern auf der drittletzten abgezählten Silbe (bei den zweisilbrigen entsprechend auf der 1. Silbe). Unter dialektalem Aspekt handelt es sich um ein Akzent westmakedonischen Typs. In den ost- und südmakedonischen Dialekten ist der Akzent flexibel und paradigmatisch.

Ein wichtiges Merkmal ist, dass der Akzent fest ist und grundsätzlich auf der drittletzten Silbe liegt, d.h. er wandert bei Veränderung einer Wortkonstruktion (z.B. Artikelgebrauch) und bei Flexion (z.B. Pluralbildung) entsprechend zum Wortende. Abweichungen von dieser Art der Akzentuierung bzw. Betonung der vorletzten Silbe treten beim Gerund, sog.  глаголски прилог (читајќи, седејќи), bei Adverbien (годинáвá = оваа година, зимáвá = оваа зима, летóвó = ово лето : годѝнава, зимáвá, летóво (mit Artikel gebrauchte Substantive), bei Fremdwörtern älterer (апсáна, топáна, камбáна) und neuerer Herkunft (кантáта – ‘ein Musikterminus‘ – кáнтата – Subst. канта mit Artikel – клишé, решó, литератýра) auf.

Ein weiteres wichtiges Merkmal der makedonischen Akzentuierung ist die Bildung von Akzenteinheiten, sog. акцентски целости:

  • Autosemantika (Substantive, Pronomina, Verben, Gerund) mit Kurzformen der Pronomina: мáјка-ми, тáтко-ми, éве-го, éне-ја, донéси-го, донесетé-ми-ја, земáјќи-ги u.a.
  • Pronominalformen, Konjunktionen und anderen Wortarten von Verben: тој му-рéче, рече оти-дóшол, кóј-виде?, штó-кажа? u.a.
  • Attribut und Substantiv: киселó-млеко, цéл-живот, сувó-грозје u.a.

Der Akzent wandert bei der syntaktischen Gruppe Präposition+Substantiv und Präposition+Pronomen auf die Präposition: бéз мене, сó него, óд дрво (падна  ‘vom Baum fallen‘) : од д`рво (дрвен ‘aus Holz = hölzern‘).

Die Akzentverschiebung und die Akzenteinheiten sind durch eine Reihe von Besonderheiten gekennzeichnet, die zusätzlicher Erläuterungen und Erforschungen bedürfen.

Morphologie

Die wichtigsten Charakteristika des gegenwärtigen Substantivsystems ist der Verlust der Deklination und das Phänomen des dreigliedrigen Artikels, der durch drei verschiedene Artikelendungen repräsentiert wird.

Bei den Substantiven werden die Kategorien Genus, Numerus und Determiniertheit unterschieden. Es gibt drei Genera: Maskulinum, Femininum, Neutrum. Maskulina lauten im Wesentlichen auf einen Konsonanten aus (брат, вар, ученик), seltener auf ein Vokal -а (слуга, војвода, Никола), –о (татко, дедо, Трајко), е (вујче, Јане, Миле), Feminina lauten vorwiegend auf –а (жена, мачка, Марија) oder auf einen Konsonanten (пролет, вест, радост) aus, Neutra lauten auf –о (езеро, корито) oder –е (море, пиле) aus.

Bei einigen Substantiven schwankt das Genus zwischen Maskulinum und Femininum. Diese Schwankung schlägt sich auch beim Artikelgebrauch nieder: жарот – жарта, пепелот – пепелта, правот – правта. Problematisch ist auch die Genusbestimmung bei Fremdwörtern mit einem für das Makedonische untypische Auslaut wie z.B. bei интервју, жири u.a., hier schwankt das Genus zwischen Maskulinum und Neutrum, wobei das neutrale Genus zu überwiegen scheint.

Die makedonische Sprache kennt zwei Numeri – Singular und Plural. Die frequenteste Pluralendung bei den Maskulina und Feminina ist –и (мажи, жени). Je nach Auslaut des Substantivs kann sie auch weitere morphologische Veränderungen nach sich ziehen (внук – внузи, патец – патци, Србин – Срби, Македонец – Македонци, скопјанец – цкопјанци, театар – театр u.a.). Eine große Anzahl von einsilbigen Maskulina bilden den Plural auf -ови, -еви (мост – мостови, нож – ножеви), sowie einige zweisilbige Wörter (ветар – ветрови, оган – огнови u.a.). Bei den Feminina bilden рака – раце, нога – нозе und bei den Maskulina брат – браќа, човек – луѓе eine Ausnahme.

Die Substantive neutralen Genus‘ (im Singular auf –o) bilden den Plural auf –a (села, вретена, крила, дрва oder mit besonderer Form око – очи, уво – уши, рамо – рамена, небо – неба auch небеса, чудо – чуда auch чудеса u.a.).

Bei den Substantiven auf –е bestehen zwei Möglichkeiten der Pluralbildung. Substantive mit den Suffixerweiterungen -је, -че, -це bilden den Plural auf -а (лозја, влијанија, лица), alle anderen auf -иња (име – имиња, море – мориња, прасе – прасиња); eine Ausnahme bildet der Plural von дете – деца. Eine Eigenart der makedonischen Pluralbildung ist der sog. Kollektivplural (збирна множина), der bei den Maskulina mit den Suffixen -ишта (рид – ридишта, куп – купишта, -је und -ја (сноп, снопје, лист – лисје, роб – робје/робја, рид – ридје, трва – тревје) und bei den Feminina mit -ќе, -ѓ (ливада – ливаѓе, брут – бруќе) gebildet wird.

In der makedonischen Sprache besteht noch eine dritte Form der Pluralbildung, der sog. Zählplural (избројана множина). Diese Form ist von der alten Zweizahl (Dual) abgeleitet, jedoch beschränkt sie sich heutzutage nicht nur auf diese Bedeutung. Die duale Bedeutung tritt bei der Verwendung der Substantive mit Zahl два (zwei) am stärksten hervor (два, леба, два дена), wodurch jedoch Kombinationen mit anderen Zahlen keineswegs ausgeschlossen werden (три јунака, десет бисера, сто дена, осумдецет реда u.a.).

Bei einigen Substantiven ist diese Form der Pluralbildung nicht typisch, andere lassen parallel beide Formen zu und ermöglichen auf diese Weise eine stilistische Nuancierung. Bei der Verwendung von Attributen innerhalb einer Substantivgruppe wird der einfache Plural gebraucht (видов пет млади војници). Von den alten Kasusformen der Substantive ist bei den Maskulina und Feminina lediglich der Vokativ erhalten geblieben. Maskulina bilden den Vokativ mit den Suffixen –у oder -е (брате – брату, Стојан – Стојане, маж – мажу, волк – волку u.a.), Feminina mit den Suffixen –о oder –е (невесто, душо, моме, Горице, Ратке, Веро u.a.). Der Gebrauch des Vokativs geht in der Anrede immer stärker zurück. Mit einer geringen Frequenz sind auch Reste der alten genitivischen und akkusativischen Formen des Typs го видов Петрета, со татка си u.a. noch vertreten.

Die Adjektive unterscheiden die gleichen Kategorien wie die Substantive und sind mit ihnen in Genus, Numerus und Artikel kongruent (нов календар, нова книга, ново место; нови книги; новиот календар usw.). Die Adjektive werden mit den Präfixen по– (Komparativ) und нај– (Superlativ) graduiert (понов – најнов). Diese Form der Graduierung ist auch bei einigen Substantiven zu finden помајстор, најмајстор (KONESKI, 1967).

Substantive und Adjektive werden auch durch den postponierten Artikel bestimmt, der in drei verschiedenen Formen auftritt: –от (neutraler Gebrauch), – (relative räumliche Nähe zum Gesprächspartner) und – (entferntere räumliche Distanz zum Gesprächspartner). Die femininen Singularformen lauten –та, –ва, –на, die neutralen -то, -во, -но und der Plural der Maskulina und Feminina –те, –ве, –не, die Pluralformen der Neutra sind mit den Formen der femininen Singularformen identisch: –та, –ва, –на.

Ähnlich wie die Adjektive verhalten sich die Possessivpronomina мој, моја, мое, мои; твој, наш, –а, –е, –и; баш, негов, –а, –о, –и; нејзин, –а,о, –и; нивни, –а, –о; ferner die „qualitativen“ Pronomina: таков, ваков, онаков, инаков, секаков, некаков, никаков, толкав, олкав, онолкав, die Interrogativformen каков, колкав u.a.; die Definitpronomen сиот, сета, сето, сите, сам, –а, –о, –и, друг, –а, –о, –и u.a.

Die Personalpronomina der makedonischen Sprache verfügen über Lang- und Kurzformen für den Akkusativ und Dativ (gedoppelte Form): 1. Person – јас, мене ме, мене ми; ние, нас нѐ, нам ни; 2. Person – ти, тебе те, тебе ти; вие, вас ве, вам ви; 3. Person – тој/тоа, него го, нему му; таа, неа ја, нејзе ѝ; тие, нив ги, ним ѝм. Solche Formen sind auch bei den Reflexivpronomina себе се, себе си (auch möglich: себеси се, себеси си) anzutreffen.

Die Kurzformen der Pronomina stehen immer vor dem Verb, eine Ausnahme bilden der Imperativ (го виде види го) und das Gerund (гледајќи го).

Pronomina, die sich auf Personen und Gegenstände beziehen, sind кој, која, кое, кои; чиј, чија, чие, чии, што und die von ihnen abgeleiteten Formen некој, никој, секој, нешто, сешто, ништо und die komplexen Formen кој било, кој да е, кој- годе, што било, што да е, што- годе. Das Pronomen кој verfügt über besondere Formen für den Akkusativ: кого го und Dativ: кому му.

Die Demonstrativpronomina unterscheiden drei Formen wie der Artikel: тој, таа, тоа, тие (‘dieser‘ usw.); овој, оваа, ова, овие (‘dieser hier‘ usw.); оној, онаа, она, оние (‘jener dort‘ usw.).

Bei den Numeralia hat nur die Zahl еден – ‚eins‘ – besondere Genusformen (m, f, n) und Plural: еден, една, едно, едни (synonym zu некој). Solche Formen hat auch die Zahl два – ‚zwei‘ – (m) und две (f, n und Plural) wie z.B. две деца, две жени. Numeralia können auch in attributiver Position mit dem postponierten Artikel bestimmt werden (двете деца, двете жени).

Das makedonische Verbalsystem hat in seiner geschichtlichen entwicklung viel weniger Veränderungen erfahren als das System der Substantive. Es weist die Kategorien Personen, Numerus, Tempus, Modus, Genus verbi (Diathese) und Aspekt auf. Eine der bedeutendsten geschichtlichen Veränderungen ist der Verlust des Infinitivs. Daher gilt die 3. P. Sg. Präs. Als Grundformen der Verben. Nach dem Stammvokal der Nominalform werden die Verben in drei Gruppen klassifiziert: a-Gruppe, e-Gruppe und i-Gruppe.

Die Endung für die 1. P. Sg. Präs. –ам und für die 3. P. Pl. –ат sind im Präsens des Makedonischen verallgemeinert. Die Konjugationsformen werden nach dem Stammvokal unterschieden.

 чита   
Sg.1. P.читамјадамседам
 2. P.читашјадешседиш
 3. P.читајадеседи
Pl.1. P.читамејадемеседиме
 2. P.читатејадетеседите
 3. P.читаатјадатседат

Das Präsens wird von imperfektiven und das Futur sowohl von imperfektiven als auch von perfektiven Verben gebildet. Das Futur I wird mit der unveränderlichen Partikel ќе + Präsensform des Verbs gebildet ( ќе одам, ќе одиш usw.).

Das Hilfsverb сум hat im Präsens folgende Konjugationsformen; сум, си, е, сме, сте, се. Das Futur I von сум wird mit ќе + сум oder ќе + биде gebildet (ќе бидам, бидеш, биде, бидеме, бидете, бидат).

Die Konjugationsformen der Vergangenheitstempora sind vielgestaltig. Das Imperfekt wird auf zwei verschiedene Arten mit imperfektiven Verben gebildet, d.h. die Verben der e- und i-Gruppe werden zu e-Gruppe vereint.

пишуваспиестои
пишувавспиевстоев
пишувашеспиешестоеше
пишувашеспиешестоеше
пишувавмеспиевместоевме
пишувавшеспиевтестоевте
пишувааспиејастоеја

Das Hilfsverb сум hat im Imperfekt die folgenden Konjugationsformen: бев, беше (2. und 3. P. Sg.), бевме, бевте, беа.

Zur Bildung des Aorist (минато определено свршено време = bestimmte vollendete Vergangenheit) werden perfektive Verben und für das Imperfekt (минато определено несвршено време = bestimmte unvollendete Vergangenheit) imperfektive Verben benutzt. Die Verben werden beim Aorist nach ihrem Stammvokal in Subgruppen (sog. раздели) unterteilt. In der a-Gruppe gibt es keine Subgruppen: напишав, напиша (2. und 3. P. Sg.), напишав, напишавме, напишабте, напишаа. Die Verben der i-Gruppe haben drei derartige Subgruppen:

научиоздравиизброи
научивоздравевизбројав
научиоздравеизброја
научиоздравеизброја
научивмеоздравевмеизбројавме
научивтеоздравевтеизбројавте
научијаоздравеаизбројаа

Bei den Verben der e-Gruppe werden vier Subgruppen -a, -e, -o und -Ø (ohne Grundvokal) unterschieden:

викнезапреречеиспи
    
викнавзапреврековиспив
викназапревречеиспи
викназапревречеиспи
викнавмезапревмерековмеиспивме
викнавтезапревтерековтеиспивте
викнаазапреарекоаиспија

Interessant ist die Möglichkeit, daß in bestimmten Situationen (heutzutage jedoch sehr unproduktiv) das Imperfekt von perfektiven Verben (да ми дадеше) und Aorist von imperfektiven (доста пивмe; те фатив – мисли мy!) gebildet wird.

Sowohl von perfektiven als auch von imperfektiven Verben kann das Perfekt (минато неопределено време) gebildet werden. Seine Grundbedeutungen, durch die es sich von den bestimmten Vergangenheitsformen (Aorist und Imperfekt unterscheidet, sind die zeitliche Unbestimmtheit der Handlung in der Vergangenheit und die ‘narrative‘ Kategorie (прекажаност – Aussage beruht nicht auf Augenzeugenschaft, sondern Hörensagen), wodurch sich die makedonische Sprache, gemeinsam mit der bulgarischen, von den anderen slavischen Sprachen differenziert. Das Perfekt wird mit dem Hilfsverb сум + l-Form des perfektiven bzw. imperfektiven Verbs gebildet:

1.P.јас сум +  пишувал/напишал/ -а, -оние сме + пишувале/ напишале
2.P.ти си + пишувал/напишал/ -а, -овие сте + пишувале/ напишале
3.P.тој, таа, тоа ø + пишувал/напишал/ -а, -отие ø + пишувале/ напишале

Im Unterschied zum Bulgarischen wird in der 3. Person Singular die konjugierte Form des Hilfsverbs сум nicht verwendet.

Die makedonische Sprache kennt auch andere Tempora: Das Plusquamperfekt (предминато) wird mit den imperfektiven Formen von сум, бев, беше, бевме, бевте, беа +  л-Form gebildet; das Futur (in) der Vergangenheit (минато-идно), wird mit der Partikel ќе + Imperfektformen des Verbs gebildet – ќе одев, одеше usw., die Negation wird entweder nur mit не (не ќе одев, не ќе одеше usw.) oder mit немаше да + Präsensform (немаше да одам, немаше да одиш usw.) gebildet; das ‘Narrativ‘ Futur (идно прекажно) wird mit der Partikel ќе + Perfekt (сум, си, Ø , сме, сте, Ø, + imperfektiver l-Form) bzw. bei Negation немало + да + Präsensform des Verbs (немало да оди,  немало да одиш) oder nur mit dem Negationswort не vor der affirmativen Form (не ќе одел usw.) gebildet.

Charakteristisch ist für die makedonische Sprache, daß sich eine parallele Konjugation von има, нема + Verbaladjektiv im Neutrum (periphrastisches Perfekt) entwickelt hat:

имам, имаш, има, имаме…  јадено, копано, пишувано
имав, имаше, имавме…-//-
сум, си,  ø + имал-//-
сме, сте, ø + имале-//-
беше сум (си) имал, сме (сте) имале…-//-
ќе имам, ќе имаш, ќе има…-//-
ќе имав, ќе имаше…-//-
ќе сум (си) имал, ќе сме (сте) имале-//-
би (сум) имал, би (сме) имале-//-

Diese Formen sind in der Umgangssprache der westmakedonischen Dialekte dominant und sind von dort aus in die makedonische Standardsprache gelangt. Das grundsätzliche Merkmal dieser Formen ist die Resultativität.

Um Potentialität in der makedonischen Sprache auszudrücken, wird in der Regel der Modus der Potentialität ( sog. можен начин – потенцијал) gebraucht – би сакал да кажам, би рекол дека Вие имате право usw.  Aber auch Tempora wie z.B. das Futur (in) der Vergangenheit (минато-идно) erfüllen unter Umständen die gleiche Funktion. Zum Ausdruck irrealer Sachverhalte wird das Futur (in) der Vergangenheit (минато идно) verwendet – ќе работеше како инженер, ако не беше распреден да биде бригадир.

Die Imperativform wird grundsätzlich für die 2.P.Sg. und Pl. Gebildet. Dabei läßt sich der Imperativ in den meisten Fällen relativ einfach bilden. Gewöhnlich sind die Formen der 2. P.Sg. und Pl. Grundformen: пиј – пијте, викај – викајте, себе – седете. Außer diesen Formen sind auch andere Möglichkeiten der Aufforderung bei der 1. P.Pl. (да + Präsens: да одиме) und der 3.P.Sg. und Pl. (нека + Präsens: нека оди, нека одат) bekannt.

In der makedonischen Gegenwartssprache gibt es keine Partizipien wie im Altslawischen. Aus dem alten Partizip Präsens Aktiv ist bereits im 13. Jh. die heutige Gerundialform, sog. глаголски прилог, entstanden, die den gleichzeitigen Verlauf zweier Handlungen ausdrückt (одејќи падна, читајќи заспа). Von den anderen Partizipien ist nur das Partizip Perfekt Passiv in den heutigen Gebrauch des Verbaladjektivs (sog. глаголска придавка) übergegangen; es weist die folgenden Endungen für Genus und Numerus -на, -но, -ни, -та, -то, -ти auf, z.B. bei најаден, изброен, беган, шетан, паднат, станат u.a. Das alte l-Partizip (Partizip Perfekt Aktiv) ist in die heutige l-Form übergegangen. Von den anderen Partizipien sind nur Überreste in Form von Adjektiven erhalten geblieben: бивш, лаком, питом u.a.

In der makedonische Sprache besteht auch noch die Form der sog. глаголска именка (substantiviertes Verb), die von imperfektiven Verben + Suffix gebildet wird (учење, викање, спиење, ткаење). u.a.  Einige standardsprachliche Verben mit imperfektivem Aspekt bilden die Form der глаголска именка mit dem Suffix -ние: издание, решение u.a. Beim Gebrauch der глаголска именка ist der Einfluss des Balkansprachraumes bemerkbar (мајстор е за работење, за тоа треба учење u.a.).

Für die makedonischen Verben sind noch die Kategorien Reflexivität, Genus verbi (Diathese) und Transitivität von Bedeutung. Die Kategorie Transitivität ermöglicht den Verben eine Satzstruktur mit direktem Objekt. Bezeichnend ist die Möglichkeit, daß auch intransitive Verben mit einem direkten Objekt verwendet werden können (ме умреа од смеење, ги качувам скалите за пет минути).

Syntax

Unter syntaktischem Aspekt nimmt in der makedonischen Sprache, aufgrund ihres analytischen Charakters und des Verlustes der Kasuskonstruktionen, die Wortstellung einen besonderen Stellenwert ein. Dies bedeutet jedoch nicht, daß alle Möglichkeiten einer Variation ausgeschlossen sind, sie sind in einem stilistischen Kontext möglich.

Die gewöhnliche Reihenfolge der Wörter richtet sich im Satz nach dem Schema: Satz – Prädikat – Objekt bei transitiven Verben ; Subjekt – Prädikat bei intransitiven Verben (GOLOMB, 1965): Петре купи книга und Петре оди.

Eine Besonderheit der makedonischen Sprache ist die Verdoppelung des direkten (Akkusativ-Objekt) und indirektem (Dativ-Objekt) Objekts mit den Kurzformen der Personalpronomina. Von besonderer Relevanz ist die unmittelbare Position der Personalpronomina vor dem Verb. Wenn sich jedoch das Verb im Imperativ befindet oder mit einem Gerund (глаголски прилог) gebraucht wird, steht das Personalpronomen direkt nach dem Verb. Das indirekte Objekt geht immer dem direkten Objekt voraus – beim Aussagesatz S + D + A + P + A-Objekt + D-Objekt (Петре му ја купи книгата на синот); beim Aufforderungssatz: P + D + A + A-Objekt + D-Objekt (Купи му ја книгата на синот!).

Das direkte Objekt wird immer dann verdoppelt, wenn es durch ein bestimmtes Substantiv oder eine Substantivgruppe (determiniert mit Artikel oder Demonstrativpronomen), einen Eigennamen oder eine Langform der Personalpronomina dargestellt wird (Петре ја купи книгата/ оваа книга, Петре ја виде Марија/неа).

Das indirekte Objekt wird verdoppelt, wenn es durch ein artikelbestimmtes Substantiv oder eine Substantivgruppe (мy даде пари на дедото), ein demonstrativpronomenbestimmtes Substantiv oder Substantivgruppe (мy даде пари на ова дете), einen Eigennamen (ѝ даде писмо на Марија), eine Langform der Personalpronomina (ми даде писмо мене) oder durch Verwandtschaftsbezeichnungen, die mit Kurzformen der Pronomina einhergehen (ѝ дадов писмо на ќерка ми), dargestellt wird. Der Gebrauch des indirekten Objekts ist frequenter als der des direkten und in einem höheren Grade grammatikalisiert. Als Zentrum dieser Innovation, mit einem Ausmaß auf Balkanebene, werden die Regionen der westmakedonischen Dialekte angesehen (CYHUN, 1981).

Lexik

Der Wortbestand der makedonischen Sprache ist überwiegend slawischer Herkunft. Er ist im Laufe seiner geschichtlichen Entwicklung durch die griechische (vorwiegend in der religiösen Sphäre), türkische (es gibt ca. 3000 Turzismen, von denen einige bereits in Vergessenheit geraten sind ) und die Lexik der benachbarten Balkansprachen (sowohl slawischer als auch nicht-slawischer Herkunft), aber auch durch geographisch entferntere Sprachen wie z.B. dem Russischen, Französischen, Italienischen, Deutschen und Englischen auf dem Wege der direkten und indirekten Entlehnung bereichert worden. Im Wortschatz der makedonische Sprache ist auch eine Reihe von Internationalismen anzutreffen, wie das auch bei anderen Sprachen der Fall ist. Heutzutage macht sich vor allem der Einfluss der englischen Lexik, die von jugendlichen Sprachbenutzern bevorzugt und tradiert wird, in den Bereichen Musik, Kunst, Kultur, Computertechnik, Mode u.a. bemerkbar.

Der Wortbestand der makedonischen Sprache ist bisher in den folgenden Werken inventarisiert:

1 Речник на македонскиот јазик (Wörterbuch der makedonischen Sprache, dreibändig, mit serbokroatischen Erläuterungen) von T. DIMITROVSKI, B. KORUBIN und T. STAMATOSKI, mit ca. 65.000 Stichwörtern;

2 Обратен речник ( Rückläufiges Wörterbuch);

3 Речник на македонската народна поезија (Wörterbuch der makedonischen Volksdichtung, bisher nur drei Bände erschienen);

4 Правопис на македонскиот литературен јазик (Rechtschreibung der makedonischen Literatursprache);

5 Речник на странски зборови (Fremdwörterbuch).

[Ergänzung der Redaktion:

6 Толковен речник на македонскиот јазик во 6 тома, Институт за македонски јазик „Крсте Мисирков“ Скопје 2003 – 2014 (околу 100.000 зборови)

7 Толковен речник на современиот македонски јазик, З.Мургоски, Филолошки факултет „Блаже Конески“ Скопје 2011]

Sowie eine Reihe zweisprachiger Wörterbücher mit unterschiedlicher Anzahl von Stichwörtern.

Dialektologie

Im Makedonischen werden drei größere Dialektgruppen unterschieden: west-, ost- und nordmakedonische Dialekte. Die Gruppe der nordmakedonischen Dialekte nimmt prozentual das kleinste Gebiet ein. Die Grenzlinie verläuft nördlich von Tetovo – Skopje – Sveti Nikole – Zletovo mit den Städten Kumanovo, Kratovo, Kriva Palanka und Probištip bis zur Grenze der serbischen Dialekte.

Das größte makedonische Sprachgebiet ist zwischen der westlichen und östlichen Dialektgruppe aufgeteilt. Die Grenze zwischen ihnen verläuft fast parallel zu den Flüssen Pčinja, Vardar und Crna. Im Südwesten sind zwischen der Stadt Korča (Albanien) und dem Prespa- und Ostrov-See (Griechenland) die kosturisch-florinischen* Übergangsdialekte beheimatet. Auf dem Gebiet der westlichen Dialektgruppe liegen die Städte Veles, Prilip, Bitola, Ohrid, Struga, Kičevo, Debar und Gostivar. Im Osten der Flüsse Pčinja und Vardar und im Süden des Flusses Crna befindet sich die Gruppe der ostmakedonischen Dialekte, die den Ostteil der Republik Makedonien (Štip, Strumica, Kavadarci, Dojran, Gevgelija), Pirin-Makedonien und die ägäischen Dialekte östlich des Ostrov-Sees mit den Städten Voden*, Enidže-Vardar, Kukuš, Ser, Drama u.a. ausmachen.

*Kostur (makedon.) = Kastoria (griech.)/ Florina (griech.) = Lerin (makedon.)/Voden (makedon.) = Edessa (griech.)/ Enidže-Vardar (makedon.) = Giannitsa (griech.)/ Kukuš (makedon.) = Kilkis (griech.)/ Ser (makedon.) = Serres (griech.) – Anmerkung der Redaktion

Hauptunterscheidungsmerkmale der östlichen und westlichen Dialektgruppe sind:

  1. Die westmakedonischen Dialekte haben einen auf der dritten Silbe des Wortes fixierten Akzent, welcher in den östlichen Dialekten frei, flexibel und paradigmatisch ist und so trotzdem seine grammatische Funktion ausüben kann.
  2. In den südlichen und südöstlichen Dialekten werden die unsilbischen (nichtakzentuierten) Vokale reduziert (dreigliedriges Vokalsystem in nicht akzentuierter Position).
  3. In den östlichen Dialekten wird das intervokalische в gebraucht, welches bei den westlichen Dialekten ausstirbt: јавор, говедарјаор, гојдар u.a.
  4. Die Artikeldetermination der Substantive wird bei den westlichen Dialekten mit den Suffixen –т, –в, –н und in den östlichen nur mit –т erzielt
  5. Bei den westlichen Dialekten sind mehrere Elementen des Kasussystems bei den Pronomina (мене ми, вам ви, нејзе ѝ, нему му u.a.), sowie die Nominal- und Nominativform bei den Eigennamen und Verwandtschaftsbezeichnungen, die auf einen Konsonanten auslauten (Стојана, Петрета), und dessen Dativform (Стојану, Маркому) erhalten geblieben, während diese Beziehung bei den östlichen Dialekten generell mit der Präposition на ausgedrückt werden (на Стојан, на татко му, на мене, на нас u.a.).
  6. Charakteristisch sind für die westlichen Dialekte die Konstruktionen mit има, нема + глаголска придавка (Verbaladjektiv), neutralem Genus (имам чуено, имав работено u.a.) und Konstruktionen mit dem Hilfsverb сум + глаголска придавка eines transitiven Verbs (е дојден, беше дојден u.a.). Derartige Konstruktionen sind für die östlichen Mundarten ungewöhnlich.
  7. Die Verdoppelung des Objekts ist bei den westlichen Mundarten ein reguläres Phänomen, bei den östlichen hingegen ein sporadisches.

Insgesamt unterscheiden sich die makedonischen Dialekte der westlichen und östlichen Gruppe in 30 Punkte, von denen 13 phonetischer und die restlichen morphosyntaktischer Natur sind. Ihre Differenzierung begann Ende des 12. Jhs., und bereits im 17. Jh. entstanden die heutigen Dialekte Makedoniens. Die Zentren der westmakedonischen Dialektgruppe (Veles, Prilep, Bitola, Ohrid, Kičevo) bilden die Grundlage der gegenwärtigen makedonischen Standardsprache.

Geschichte der makedonischen Sprache

In der Geschichte der makedonischen Sprache ist neben der Mission der Heiligen Brüder Kyrill und Method in Morawien wichtigstes Moment die Rückkehr des Kliment und Naum im IX Jh. nach Ohrid und deren Gründung der Ohrider Literaturschule (Zentrum). Zu dieser Zeit kristallisieren sich auch die ersten Unterschiede der altslavischen Schriftlichkeit im Vergleich zu dem Zentrum in Preslav (Bulgarien) heraus. Die Periode vom XI-XII Jh. gilt als makedonische Variante des Kirchenslavischen, die einerseits durch viele Elemente aus der lebendigen Sprache und andererseits durch Abweichungen von der kanonischen Periode gekennzeichnet ist. Der darauffolgende Zeitabschnitt, bis zum XIV Jh., steht unter dem Zeichen der Koexistenz der makedonischen und serbischen Variante aufgrund des Zusammenlebens unter serbischer Herrschaft.

Eine bedingte sprachliche Grenze stellt das 15. Jh. dar, bis zu welchem man den Bestand des slavischen Sprachmodells vermutet. In diesem zeitlichen Rahmen wird auch das Ende der Balkanisierung eingebettet, so daß vom 15. Jh. an die makedonische Sprache analytisch wird und das Balkanmodell annimmt. Bei den Übersetzungen der sog. Damaskini im 16. Jh. kommt es zu dem entscheidenden Prozess des Einzugs der Volkssprache in die Schriftsprache. Das 18. Jh. ist einerseits durch eine vehemente Überflutung durch russische Kirchenbücher und der russischen Variante des Kirchenslavischen, sowie andererseits durch einen starken griechischen Einfluss im Südwesten Makedoniens, der die Benutzung des griechischen Alphabets in makedonischen Texten zur Folge hat, gekennzeichnet.

Im 19. Jh. werden die Bücher von Joakim Krčovski und Kiril Pejčinović in der Volkssprache gedruckt. Die Tendenz, die Volkssprache in die Kirchensprache und in die Schulen miteinzubeziehen, drückt sich auch in der Tätigkeit einiger Personen wie z.B. Teodosija Sinaitski, Partenija Zografski, Venijamin Mačukovski, Kuzman Šapkarev, Gjorgija Pulevski u.a. aus.

Bei ihnen allen überwiegt mit der Zeit die Idee, daß das makedonische Volk ein Volk für sich ist und eine selbstständige Sprache verdient. Zu diesem Zwecke ist eine große Anzahl von Lehrbüchern und anderen Werken (Grammatiken) herausgegeben worden.

Auf literarischem Gebiet sind zu dieser Zeit die Poeten Konstantin und Dimitar Miladinov, Rajko Žinzifov, Grigor Prličev u.a. tätig.

Das Bestreben nach einer selbständigen Literatursprache erreicht seinen Höhepunkt mit dem Erscheinen des Buches „За македонцките работи“ (Über Makedonische Angelegenheiten) von Krste Petkov MISIRKOV im Jahre 1903, welches als Grundstein der makedonischen Literatursprache gilt, und nach den Dialekten aus den Gebieten Veles, Prilep, Bitola und Ohrid entstanden ist.

In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen sind in makedonischer Sprache einige Bücher veröffentlicht worden – Dramen von V. Iljoski, R. Krle, A. Šopov und Poesie von K. Racin, K. Nedelkovski u.a.

Am 02.08.1944 wird auf der 1. Antifaschistischen Versammlung Makedoniens die makedonische Sprache offiziell zur Nationalsprache der Makedonier proklamiert. Am 03.05.1945 ist das Makedonische Alphabet gesetzlich festgelegt worden und am 07.06.1945 auch die Makedonische Rechtschreibung.

Bedeutende Momente in der Entwicklung der makedonischen Sprache sind ohne Zweifel das Erscheinen der „Граматика на македонскиот литературен јазик“  (Grammatik der makedonischen Literatursprache) von Blaže KONESKI in den Jahren 1952 (1. Teil) und 1953 (2. Teil), „Речник на македонскиот јазик“ (Wörterbuch der makedonischen Sprache) in drei Bänden (1961-1966), und „Историја на македонскиот јазик“ (Geschichte der makedonischen Sprache, 1965) von Blaže KONESKI.

Zur Entwicklung der makedonischen Sprache haben neben Blaže KONESKI auch in hohem Maße B. VIDOESKI, B. KORUBIN, T. STAMATOSKI, T. DIMITROVSKI, R. UGRINOVA-SKALOVSKA, O. JAŠAR-NASTEVA, K. TOŠEV, R. PANOSKA, K. KONESKI und viele andere jüngere Linguisten beigetragen.

Abkürzungen (alphabetisch)

A – Akkusativ, D – Dativ, P – Prädikat, S – Subjekt

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Über den Autor

Prof. Dr. Maksim Karanfilovski

Der renommierte makedonische Linguist und Slawist Maksim Karanfilovski wurde 1948 in Skopje, Makedonien geboren, wo er 1971 sein Studium an der Philosophischen Fakultät in der Gruppe für russische Sprache und Literatur und 1973 in der Gruppe für makedonische Sprache abschloss. Er erhielt seinen Magister in Belgrad und promovierte 1992.

Er war Professor und Dekan an der Fakultät für Philologie „Blaže Koneski“ in Skopje tätig und wurde 2008 zum Ehrenprofessor an der Moskauer Staatlichen Universität „Lomonossow“ ernannt, Präsident des Makedonischen Slawistik-Komitees (Македонски славистички комитет) von 2011 bis 2022 und übersetzte nach seiner Pensionierung unter anderem zeitgenössische russische Literatur. Dr. Karanfilovski leitete das alljährliche internationale „Seminar für makedonische Sprache, Literatur und Kultur“ in Ohrid, Republik Makedonien in der Zeit von 1994-1996, 2001-2005 und 2009-2013. 2019 wurden mit Unterstützung des Kulturministeriums der Republik Makedonien zwei seiner Bücher veröffentlicht: „Makedonistika i slavistika“ (Makedonistik und Slavistik) und „Polsko-makedonski razgovornik“ (Polnisch-makedonischer Gesprächspartner).

2024 wurde er Preisträger der höchsten Auszeichnung für Makedonistik „Vozdejstva“

Aus dem wissenschaftlichen Sammelband„Handbuch der Südosteuropa-Linguistik“ (1999), Herausgeber Uwe Hinrichs unter Mitarbeit von Uwe Büttner, erschienen im Harrassowitz Verlag als Teil der Reihe Slavistische Studienbücher (Band 10)

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung durch den Autor und Herausgeber

„Handbuch der Südosteuropa-Linguistik“ (1999), Herausgeber Uwe Hinrichs unter Mitarbeit von Uwe Büttner, erschienen im Harrassowitz Verlag als Teil der Reihe Slavistische Studienbücher (Band 10)