40 Jahre Städtepartnerschaft Nürnberg – Skopje

Mit der makedonischen Hauptstadt Skopje verbindet Nürnberg eine ihrer intensivsten Städtepartnerschaften – und ein ähnliches Schicksal im 20. Jahrhundert: Die Nürnberger Altstadt wurde im Zweiten Weltkrieg zu über 90 Prozent zerstört, während die Altstadt von Skopje im Jahr 1963 durch das verheerende Erdbeben fast dem Erdboden gleichgemacht wurde. Aus dieser Zeit stammen die ersten Kontakte von Nürnberger Bürger*innen, die beim Wiederaufbau mitgeholfen haben. Die daraus resultierenden Kultur- und Jugendaustauschaktivitäten führten 1982 zur Unterzeichnung des Städtepartnerschaftsvertrages.

Städtepartnerschaftsvertrag zwischen Nürnberg und Skopje vom 15. Februar 1982

Vielfalt der Kooperation

Bewährt hat sich diese Partnerschaft nicht nur im humanitären und medizinischen, sondern vor allem im kulturellen Bereich. Der Austausch im Bereich der Bildenden Kunst nahm viele Jahre einen herausragenden Platz ein, beide Städte profitierten von Künstleraustausch und wechselseitigen Ausstellungen. Gute Kontakte bestehen auch zwischen den beiden Kommunalverwaltungen und im Bereich des Jugendaustausches.

So wurden bereits vor mehr als 20 Jahren eine Zusammenarbeit zwischen dem Roten Kreuz der Stadt Skopje und dem Nürnberger Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes vereinbart und ein Austausch von Ärzten initiiert, der bis heute einen wichtigen Bestandteil dieser Städtepartnerschaft bildet. Im Jahr 2000 kam auch eine Vereinbarung über die Verbesserung der psychiatrischen Versorgung von Skopje zwischen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Stadt Skopje und der Stadt Nürnberg zustande.

Eine enge Zusammenarbeit erfolgt ebenso auf anderen Gebieten – so wurden im Jahr 2005 zwei Drehleiterfahrzeuge der Nürnberger Berufsfeuerwehr an Kollegen in Skopje und 30 000 Sitzschalen aus dem Nürnberger Stadion an den Makedonischen Fußballbund übergeben. Seit vielen Jahren ist die Universität Skopje bei der Internationalen Klima- und Kältetechnikmesse „Chillventa“ in Nürnberg ebenso vertreten wie die makedonische Kunsthandwerkervereinigung „MATA“ mit einem Stand auf dem vorweihnachtlichen Markt der Partnerstädte. Der Nürnberger Tiergarten war bei der Neugestaltung des Zoos in Skopje behilflich, und mit dem Erlös der Weihnachtsbude des Amtes für Internationale Beziehungen der Stadt Nürnberg auf dem Markt der Partnerstädte wurde beispielsweise im Jahr 2000 ein Kinderspielplatz finanziert, dessen Spielgeräte durch Bundeswehrsoldaten aufgebaut wurden.

In jüngster Zeit kamen neue Kooperationen zwischen Kindergärten und den Stadtbibliotheken beider Städte zustande. Im Jahr 2018 wurde in Skopje ein „Baum für die Menschenrechte“ nach Nürnberger Modell gepflanzt. Seit kurzem ist der Umweltbereich in den Fokus der Zusammenarbeit gerückt: Im Rahmen von Förderprogrammen unterstützt die Stadt Nürnberg die von Smog geplagte Stadt Skopje bei der Verbesserung der Luftqualität.

Skopjestraße: Straßenschild im Stadtteil Röthenbach bei Schweinau, Bezirk West, Nürnberg

Reger kultureller Austausch

Das Spektrum an Aktivitäten im Bereich Kunst und Kultur reicht von einem Gastspiel der Makedonischen Staatsoper in Nürnberg über hochkarätige Ausstellungen (zum Beispiel Werke von Oskar Koller und Kunstpreisträger*innen der Nürnberger Nachrichten in Skopje) und gemeinsamen „Pleinairs“ von Künstler*innen aus Makedonien und Nürnberg bis hin zu einem außergewöhnlichen Forschungsprojekt von zwei Professoren der Kunstakademien in beiden Städten, das aus dem Förderprogramm TEMPUS der Europäischen Union mit einem sechsstelligen Betrag unterstützt wurde.

Neben Jugendaustauschen und gegenseitigen Künstlerbesuchen existiert mit der gemeinsamen Ausgrabung des antiken Skopje durch makedonische Archäologen zusammen mit der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg ein weiteres Partnerschaftsprojekt. Es startete im Frühjahr 1998 und wird voraussichtlich 50 Jahre in Anspruch nehmen.

Skulptur, die als immerwährendes Zeichen des Dankes, zum 25-jährigen Städtepartnerschaftsjubiläum von Skopje überreicht wurde

Nicht zu vergessen sind die Kunstwerke wie „Mutter Teresa“ und „Menschenhände“, die der Stadt Nürnberg von der Stadt Skopje anlässlich des 20-jähriges und des 25-jährigen Bestehens und als „immerwährendes“ Zeichen des Dankes für die hervorragende städtepartnerschaftliche Zusammenarbeit geschenkt wurden.

Die beiden Skulpturen wurden von dem makedonischen Künstler Tome Serafimovski geschaffen und vom damaligen Oberbürgermeister Trifun Kostovski gestiftet. Letzteres war auch Anlass für die Verleihung der Auszeichnung „13. November“ an die Stadt Nürnberg im Jahr 1993 sowie im Jahr 2008 für die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an den damals für Skopje zuständigen Mitarbeiter des Amtes für Internationale Beziehungen der Stadt Nürnberg.

Kurzchronik der Städtepartnerschaft

26. Juli 1963

  • Erdbeben mit 1.070 Todesopfern und fast völliger Zerstörung der Stadt Skopje.
  • Nach dem Erdbeben helfen Nürnberger beim Wiederaufbau Skopjes. Die Kontakte zwischen den beiden Städten verdichten sich, schon in den 1960er und 1970er Jahren findet Künstler-und Jugendaustausch statt.

Februar 1982

  • Unterzeichnung des Städtepartnerschaftsvertrages in Nürnberg
  • Besuch von Bürgermeister Prölß und Tiergartendirektor Dr. Kraus in Skopje. Gastgeschenk: Nilpferd „Nisko“

1982-1991

  • Präsentation von makedonischen Firmen auf der CONSUMENTA in Nürnberg
  • Auftritte von makedonischen Folkloregruppen auf Nürnberger Stadtteilfesten
  • Unterzeichnung des Vertrages über die Zusammenarbeit des Roten Kreuzes der Stadt Skopje mit dem Bayerischen Roten Kreuz, Kreisverband Nürnberg-Stadt
  • Gründung des Makedonischen Kultur-und Sportvereins Nürnberg
  • Besuch einer Gruppe von Behinderten aus Skopje in Nürnberg organisiert durch das städtische Bildungszentrum
  • Erster Arzt aus Skopje hospitiert in der Gastroenterologie des Klinikums Nürnberg
  • Gründung des Kultur-und Sportvereins Skopje in Nürnberg
  • Ausstellung des Nürnberger Fotoclubs in Skopje und Ausstellung des Fotoclubs ELEMA aus Skopje in Nürnberg
  • Gastspiel der Makedonischen Staatsoper beim Meistersingerball in Nürnberg
  • Erste Bürgerreise im Rahmen der Städtepartnerschaften Nürnberg führt nach Skopje
  • Vertreter der NürnbergerVAG halten sich zu Fachgesprächen über den Ausbau des öffentlichen Personalnahverkehrs in Skopje auf
  • Dr. Herbert Schönekäs, Chefarzt der Gastroenterologie des Klinikums Nürnberg, erhält Professur an der Universitätsklinik in Skopje

1992-2001

  • Klaus-Peter Murawski, 3. Bürgermeister der Stadt Nürnberg, nimmt an der Balkan-Friedenskonferenz in Skopje teil
  • Beginn der bis heute andauernden, vielseitigen humanitären Hilfe
  • Verleihung der Auszeichnung „13.November“ an die Stadt Nürnberg für die langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit mit Skopje
  • Beginn der Zusammenarbeit zwischen der Akademie der Bildenden Künste Skopje und der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg (Prof. Hanns Herpich)
  • Bücherspende der Stadtbibliothek Nürnberg für eine deutschsprachige Bibliothek im Kulturzentrum der Stadt Skopje
  • Erste Kontakte hinsichtlich gemeinsamer Aktivitäten von Frauenorganisationen
  • Vortrag des 1. Botschafters der Bundesrepublik Deutschland in der Republik Makedonien, Dr. Hans-Lothar Steppan, zum Thema „Städtepartnerschaft Skopje-Nürnberg als Spiegelbild der deutsch-makedonischen Beziehungen in Nürnberg“
  • Abschluss der Patenschaft des Evangelischen Waldkindergartens Nürnberg-Bruchenbühl für den Kindergarten „Prolet“ in Skopje
  • Präsentation von Unternehmern Makedoniens bei der Industrie- und Handelskammer Mittelfranken
  • Erstmalige Teilnahme von PIVARA SKOPJE (damals einzige Brauerei in Skopje) am Fränkischen Bierfest in Nürnberg
  • Auftritt der Roma-Band „Esma Redzepova“ beim Nürnberger Bardentreffen
  • Bau eines Kinderspielplatzes in Skopje, finanziert aus dem Erlös der Weihnachtsbude des Amtes für Internationale Beziehungen auf dem Markt der Partnerstädte
  • Fotoausstellung „Gesichter der Armut“ zum 15-jährigen Jubiläum der Partnerschaft zwischen dem Makedonischen Roten Kreuz und dem Bayerischen Roten Kreuz, Kreisverband Nürnberg-Stadt

2002-2011

  • Übergabe der Skulptur „Mutter Teresa“ durch den Oberbürgermeister der Stadt Skopje an die Stadt Nürnberg als Dank für die intensive Zusammenarbeit und die dauerhafte humanitäre Hilfe
  • Übergabe mehrerer Tiere vom Tiergarten Nürnberg an den Zoo in Skopje sowie Unterstützung beim Aufbau von artgerechten Lebensräumen und Neugestaltung des Zoos in Skopje
  • Ausstellung mit Werken von Oskar Koller im Museum für Zeitgenössische Kunst in Skopje
  • Neugestaltung des Zoos in Skopje unter Mitwirkung des Nürnberger Tiergartendirektors und von Zoo-Designer Martin Schuchert
  • Übergabe der Skulptur „Menschenhände“ an die Stadt Nürnberg anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft Nürnberg-Skopje
  • Ausstellung des Nürnberger Graphikers Kurt Neubauer im Rahmen einer Gedenkveranstaltung zum Erdbeben von 1963 im Museum der Stadt Skopje
  • Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Skopje an Werner Trini, Amt für Internationale Beziehungen der Stadt Nürnberg
  • Sachspende der Nürnberger Feuerwehr an die Feuerwehr in Skopje und Schulung von Feuerwehrleuten in Skopje durch Kollegen aus Nürnberg
  • Ernennung von Dr. Gerhard Krüger zum makedonischen Honorarkonsul und Eröffnung des makedonischen Honorarkonsulats in Nürnberg
  • Jugendaustausch und Workshops für Erzieherinnen im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen dem Waisenhaus „11. Oktober“ in Skopje und dem Nürnberger Kinder- und Jugendhaus Reutersbrunnenstraße
  • Festakt im Historischen Rathaussaal der Stadt Nürnberg anlässlich des Nationalfeiertags und des 20-jährigen Bestehens der Republik Makedonien

2012-2022

  • Beide Partnerstädte halten weiterhin an einem kontinuierlichen kommunalen Fachaustausch fest
  • Fortsetzung des jährlichen Austauschprogramms des Kinder- und Jugendhilfezentrums Reutersbrunnenstraße des Nürnberger Jugendamts (KJHZ) und des Waisenhauses „11. Oktober“ in Skopje
  • Fortsetzung des regelmäßigen Fachaustauschs zwischen Rotem Kreuz Skopje und Nürnberg sowie den Tiergärten beider Städte.
  • An dem im Jahr 2018 in Skopje mit einer Delegation der SPD Nürnberg gepflanzten Menschenrechtsbaum zum Artikel 10 (Anspruch auf faires Gerichtsverfahren) findet ein jährliches Begleitprogramm statt.
  • Die Stadt Nürnberg unterstützt die Stadtbibliothek Skopje mit der Einrichtung einer deutschen Abteilung.
  • Seit Ende 2019 arbeiten die Partnerstädte Nürnberg und Skopje eng am NAKOPA-Projekt „Schornsteinfeger für saubere Öfen und saubere Luft in Skopje“ zusammen, mit einer Laufzeit von drei Jahren.