Mit dem Tod von Prof. Dr. Dr. Wolf Oschlies verliert die deutsche Slawistik und Politikwissenschaft einen ihrer profiliertesten Köpfe und einen leidenschaftlichen Verfechter der makedonischen Kultur. Am 18. August 2026 verstarb der renommierte Experte im Alter von 84 Jahren. Er hinterlässt ein monumentales Lebenswerk, das im deutschsprachigen Raum wie kaum ein anderes als Brücke zur Republik Makedonien und zu den Makedoniern diente.
Während viele Westeuropäer den Balkan nur aus geopolitischer Distanz betrachteten, suchte Wolf Oschlies den direkten, tiefen Zugang über die Sprache. Sein bleibendes Vermächtnis ist untrennbar mit der Erforschung und Vermittlung der makedonischen Sprache verbunden.
Gemeinsam mit Vera Bojić verfasste er das wegweisende „Lehrbuch der makedonischen Sprache in 50 Lektionen“. Es war das erste makedonische Lehrbuch, das außerhalb des ehemaligen Jugoslawiens erschien. Mit diesem Werk legte er den Grundstein dafür, dass Generationen von Studierenden und Interessierten einen strukturierten und respektvollen Zugang zur Sprache der Makedonier finden konnten. Oschlies betonte stets die linguistische Eigenständigkeit und die reiche literarische Tradition, die das Makedonische auszeichnen.
In seinen zahlreichen wissenschaftlichen und publizistischen Arbeiten analysierte Oschlies die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Südosteuropa mit messerscharfem Verstand. Ein besonderes Augenmerk legte er dabei immer auf die Republik Makedonien. Er begleitete den Weg des Landes mit großer Sympathie und fachlicher Expertise.
Für Oschlies waren die Makedonier ein Volk mit einer tief verwurzelten Identität, deren Anerkennung und Pflege ihm ein persönliches Anliegen waren. In einer Zeit, in der die Identität und die Sprache der Republik Makedonien oft Gegenstand politischer Debatten und Blockaden von außen waren, blieb Oschlies eine feste wissenschaftliche Stimme, die sachlich, aber bestimmt für die Rechte der Makedonier eintrat.
Auch in seinem bekannten Werk „Das europäische Alphabet Kyrilliza: 1100 Jahre Abenteuer einer Schrift“ nimmt die Republik Makedonien eine zentrale Rolle ein. Oschlies würdigte darin die historischen Wurzeln der slawischen Schriftlichkeit, die eng mit der Region rund um den Ohridsee und dem Wirken der Heiligen Clemens und Naum verknüpft ist. Für ihn war das kyrillische Alphabet kein rein osteuropäisches, sondern ein ur-europäisches Kulturgut, dessen Bewahrung er auch als Verdienst der Makedonier sah.
Bis ins hohe Alter blieb Wolf Oschlies, insbesondere durch seine Publikationen im Wieser Verlag, ein unermüdlicher Erklärer und Botschafter der Region. Seine Fähigkeit, die Schönheit der makedonischen Sprache und die Herzlichkeit der Makedonier einem breiten Publikum zu vermitteln, bleibt unerreicht.
Wir nehmen Abschied von einem großen Gelehrten, der mit dem makedonischen Volk zeitlebens in tiefer Freundschaft verbunden war. Sein Beitrag zur europäischen Völkerverständigung und zur Würdigung der makedonischen Identität wird unvergessen bleiben.
„Ruhe in Frieden, lieber Professor Oschlies. Die Makedonier in Deutschland werden Ihnen für Ihren unermüdlichen Einsatz für unsere Sprache und Kultur stets ein ehrendes Andenken bewahren.“
Zentralrat der Makedonen in Deutschland
